Zum Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Darmstädter Gitarrentage werden dieses Mal zwölf (!) Meisterinstrumente aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Japan vorgestellt. Mit Tino Battiston, Oren Myers und Christian Koehn beehren uns hierbei drei Gitarrenbaumeister zum ersten Mal.


Wie immer wird Tilman Hoppstock verschiedene Musikstücke unterschiedlichen Charakters anspielen, wobei in insgesamt vier Durchgängen die Parameter Ausgeglichenheit, Transparenz, Dynamik, Klangvielfalt, Gesanglichkeit und Tragfähigkeit näher beleuchtet werden. Während dieser etwa 45-minütigen Vorführung bleibt dem Publikum verborgen, welches Instrument jeweils erklingt, um beim Hören die größtmögliche Objektivität zu gewährleisten.


Im Anschluss daran erhalten alle Zuhörer die Möglichkeit, die zwölf Instrumente zu testen. Die Gitarrenbaumeister werden persönlich anwesend sein, um Fragen über ihre Instrumente zu beantworten oder auch andere gitarrenbauspezifischen Probleme zu erörtern.



ACHTUNG:

Veranstaltung in Akademie für Tonkunst !!!!

Die Gitarrenbaumeister



Tino Battiston (Deutschland/Frankreich),

*1979 in Dillingen, erhielt mit 6 Jahren seinen ersten Gitarrenunterricht. Schon früh war klar, was sein Wunschberuf sein würde: Gitarrenbauer! Da im Saarland eine entsprechende Ausbildung nicht möglich war, startete Tino 1997 eine Lehre zum Tischler. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Möbelbauer ergab sich die Möglichkeit für seine eigentliche Berufung und so erlernte er ab 2004 bei Kazuo Sato die Kunst des Gitarrenbaus. Drei Jahre später eröffnete Tino sein eigenes Atelier in Rehlingen-Siersburg, mittlerweile lebt und arbeitet er in Bouzonville (Frankreich), von dort aus liefert er seine Instrumente in alle Welt. Tino sagt: ’’Ich bin immer sehr nervös, wenn ich einer meiner Gitarren die ersten Töne entlocken darf und sie unter meinen Händen zu leben beginnt...“


Christopher Dean (England),

geb. 1958 in Lincoln (England), stammt aus einer Familie von Ingenieuren und Handwerkern. In jungen Jahren erlernte er das Gitarrenspiel, beschäftigte sich außerdem mit dem Gitarrenbau und fertigte bereits als Teenager sein erstes Instrument an. Nach einer dreijährigen Berufsausbildung in “Musical Instrument Technology” in London arbeitete er für drei Jahre in der Instrumentenwerkstatt des Gitarrenbauers Paul Fisher bis er sich 1985 in den Cotswold Hills (England) selbständig machte. Die meisten seiner Instrumente fertigt Christopher für Gitarristen in England und Japan. Aber auch in anderen Ländern Europas hat er sich einen hervorragenden Ruf als Gitarrenbauer erworben. Seine Instrumente zeichnen sich in besonderer Weise durch eine ausgeprägte Gesanglichkeit im Diskantbereich aus.


Ennio Giovanetti (Italien,*1976)

zählt seit Jahren zu den jungen etablierten Gitarrenbauern Italiens. Nach dem Abschluss der technischen Schule entdeckte er - zunächst fasziniert vom Klang verschiedener ethnischer Instrumente - mit 19 Jahren die Welt der Gitarre. 1998 trat er in der „Scuola di Luteria“ in Milano ein und wurde in die Geheimnisse des Lauten- und Gitarrenbaus eingeweiht. Seine Kenntnisse - insbesondere über die Konstruktion historischer Instrumente - verdankt er in erster Linie dem Gitarrenbaumeister Enrico Bottelli (*1961), dessen Erfahrungsschatz einen großen Einfluss auf die Arbeit Giovanettis hat. In der relativ kurzen Zeit, in der sich Ennio nun selbstständig gemacht, finden seine Instrumente vor allem in Italien und Deutschland einen immer größeren Liebhaberkreis.


Andreas Kirmse (Deutschland,*1981)

entdeckte bereits in jungen Jahren die klassische Gitarre, Die Leidenschaft zum Instrument prägte den beruflichen Werdegang. Das Hochschulstudium (Richtung Zupfinstrumentenbau) in Markneukirchen vermittelte ihm eine wissenschaftliche Herangehensweise an den Klangkörper und förderte gleichzeitig die praktische Umsetzung eigener Ideen. Seine heutige Arbeitsweise ist im Wesentlichen beeinflusst durch Erfahrungen mit historischen Gitarren; so inspirierten ihn hauptsächlich um und vor 1900 gebaute Instrumente. Die Mitarbeit in einer Vielzahl renommierter Werkstätten halfen Andreas Kirmse zur Umsetzung individueller klanglicher Ideen. Nach mehrjähriger Tätigkeit in einer eigenen Werkstatt in Marseille (Frankreich) lebt und arbeitet er heute in Leipzig.


Andreas Kirschner (Deutschland,*1975)

darf sich zur ersten Riege der deutschen Gitarrenbauer zählen. Seine Instrumente, insbesondere seine Double-Top-Gitarren aus Fichte sind weltweit gefragt. Nach einer Tischlerlehre besuchte er von 2002 bis 2004 die Berufsfachschule für Geigen- und Zupfinstrumentenbau in Mittenwald und beendete seine Ausbildung zum Gitarrenbauer in der Meisterwerkstatt von Leo Sprenger. Andreas’ Arbeit wird bereichert durch einen ständigen Austausch mit Kollegen und professionellen Gitarristen und sein Ziel ist es, den Gitarrenbau mithilfe von Innovation und Perfektion voranzutreiben. Handwerkliche Präzision, Einfühlungsvermögen, eigene Erfahrungen als Gitarrespieler, und Neugier sind für ihn wichtige Faktoren, die seine Instrumente zu dem machen, was sie sind. 


Solveig Kirschner (Deutschland),

*1981 in Rostock, hat neben einer handwerklichen Ausbildung zur Gitarrenbauerin ein Studium der Musikwissenschaften (mit dem akademischen Grad eines Magister Artium) abgeschlossen. Sie arbeitet mit ihrem Mann Andreas Kirschner in der gemeinsamen Werkstatt in der Nähe von Kassel und richtet ihr Interesse neben dem Bau klassischer Konzertgitarren auch auf Restaurierungen und die Erforschung historischer Gitarren. Trotz täglichen Erfahrungsaustauschs haben ihre Instrumente einen ganz eigenen Charakter und überzeugen durch leichte Ansprache, Tragfähigkeit und einen ausgewogenen, brillanten Klang. Solveigs Instrumente sind leider sehr rar, sodass man sich glücklich schätzen darf, eines spielen zu dürfen.


Christian Koehn (Deutschland),

*1981 in Berlin geboren, verbrachte während seines Studiums als Gartenbauer viel Zeit in Bibliotheken, wo ihm Roy Courtnalls “Making Master Guitars” in die Hände fiel. Er nahm Kontakt zu Roy auf und ergriff die Chance, bei ihm am Newark College in die Lehre zu gehen. Zeitgleich besuchte er auch die Werkstätten von Paul Fischer und Gary Southwell. Nach der Ausbildung (2006) vertiefte er dann an der Newark School of Violin Making die Kunst der Reparatur und Restaurierung. Dort lernte er auch seine Frau, die Geigenbauerin Thilde van Norel, kennen. Seit 2007 wohnt die Familie in Berlin und eröffnete dort eine eigene Werkstatt. Christians Credo: “Bis zum heutigen Tag bin ich stets von diesem einen Wunsch beherrscht: Die nächste Gitarre zu bauen – und sie noch besser zu machen.“


Oren Myers (England, *1979)

begann mit 13 Jahren, Gitarre zu spielen. Seit dieser Zeit hat ihn das Instrument nie mehr losgelassen und die Erfahrungen als Spieler inspirierten ihn im Jahre 2004 als Autodidakt sein erstes Instrument zu bauen. Große Hilfestellung erhielt er während eines Kurses beim berühmten spanischen Gitarenbauer Jose Romanillos und besonders bei Christopher Dean, der ihm regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite stand. Seit einigen Jahren hat er eine eigene Gitarrenwerkstatt in Oxfordshire. Oren meint: “Ich denke an die Gitarre als vor allem ein persönliches, intimes Instrument, dessen Klang immer ein Vergnügen sein sollte. Ich glaube, dass die traditionelle Bauweise des späten 19. Jh. und frühen 20. Jh. – auf dessen Basis meine Instrumente entstehen – meinem Klangideal am besten entsprechen.“


Ortega

Seit 1994 entwickelt und produziert Ortega Konzertgitarren, in denen sich die Erfahrung und die Historie alter spanischer Gitarrenbaumeister ebenso ausdrückt, wie die Umsetzung modernster Technologie und zeitgemäßen, anspruchsvollen Designs. Ein hervorragendes Durchsetzungsvermögen im Ensemble, eine klare Tonformbarkeit in allen Registern, sowie eine individuell auf den Musiker abgestimmte Bespielbarkeit definieren den Status einer Ortega. In erster Linie produziert man zwar Instrumente mit Hilfe maschinell hergestellter Teile (geeignet für Schüler und Amateurgitarristen), darüber hinaus widmet sich Ortega aber auch dem Bau von Meisterinstrumenten, die - wahlweise mit Fichte- oder Zederndecke -  ausschließlich in traditioneller Handarbeit gefertigt werden.


Kazuo Sato (Japan)

wurde 1946 in Tokio geboren. Ab 1965 begann er eine Lehre in der Gitarrenwerkstatt von Meister Kuniharu Nobe (Tokio). Nach Abschluss seiner Ausbildung vervollständigte er sein Wissen um die Kunst des Gitarrenbaus bei David Rubio in Oxford (England). 1974 gründete er dann sein eigenes Atelier für Gitarren- und Lautenbau in Hekelgem/Belgien. Seit 1976 lebt Kazuo Sato in Deutschland und hat sich im Jahre 1987 endgültig in Saarlouis niedergelassen, wo er (zusammen mit seinem Sohn Hideo, der ebenfalls Gitarrenbauer ist) seine weltweit gesuchten Instrumente erschafft. Neben seiner Tätigkeit als Instrumentenbauer ist er ein passionierter Fotograf und engagiert sich außerdem seit vielen Jahren als Trainer im Aikido-Verein in Dillingen.


Walter Verreydt (Belgien),

geboren *1958 in Lier, baute seine erste Gitarre im Jahre 1985. Als Lehrmeister für Holzverarbeitung - einem Beruf, dem er einige Jahre nachging - und als gleichzeitig passionierter Musikliebhaber war der Weg zum Instrumentenbauer eine fast logische Folge seines beruflichen Werdegangs. Von Beginn an hatte Walter die Möglichkeit sich mit den Instrumenten der großen Gitarrenbaumeister wie z. B. Fleta, Bouchet, Hernandez-Aguado und anderen hautnah zu beschäftigen. Außerdem pflegte er gute Kontakte zu Daniel Friederich und José Romanillos. Neben seiner Tätigkeit als Bauer der großartigsten Instrumente (sowohl in Fichte als auch in Zeder) ist Walter Verreydt seit 1988 als Lehrer für klassischen Gitarrenbau am Centrum voor Muziekinstrumentenbouw in Puurs (Belgien) tätig.


Lisa Weinzierl (Deutschland, *1995)

kam bereits früh in Kontakt mit Musik. Sie lernte zunächst Zither und vertiefte dies als Jungstudentin an der Musikhochschule München. Heute widmet sie sich dem Bau und der Restaurierung von klassischen Gitarren. Ihre Ausbildung zur Zupfinstrumentenmacherin absolvierte sie an der Instrumentenbauschule in Mittenwald (mit dem Abschluss des bayerischen Staatspreises). Anschließende beschäftigte sie sich in der Werkstatt von Christopher Schuetz (Frankreich) mit dem Neubau von klassischen Gitarren sowie mit der Restaurierung von französischen Romantikgitarren. Wieder zurück in Deutschland arbeitete sie bei Peter Ziegler, Gert Esmyol und in der Werkstatt von Siccas Guitars in Karlsruhe und hatte so die Gelegenheit, an vielen interessanten Instrumenten zu arbeiten.





Gitarrenvorführung und Gitarrenausstellung  2018