Die Geschichte und Idee der Gitarrenausstellung


Die Gitarrenausstellung mit der obligatorischen konzertanten Vorstellung jedes Instruments ist seit über 15 Jahren fester Bestandteil des Festivals und mit stets über 100 Zuhörern und „Gitarrentes-tern“ ein Publikumsmagnet der Gitarrentage. Ob für Liebhaber der sechs Saiten, professionelle Musiker, Schüler oder Studenten, die außergewöhnliche Veranstaltung erfüllt viele Zwecke: den spannenden konzertanten Klangvergleich aller Gitarren, die Möglichkeit, alle Instrumente ausprobieren zu können, den Erfahrungsaustausch unter den Spielern, spannende Gespräche mit den Gitarrenbauern und das Besondere: jedes Instrument ist direkt käuflich zu erwerben. Wenn man bedenkt, dass viele der Gitarrenbaumeister lange Warteliste haben (teilweise bis zu 8 Jahren), so bietet sich hier die einmalige Gelegenheit für eine spontane Entscheidung.

Die Gitarrenbaumeister



Christopher Dean  (*1958 in England)

stammt aus einer Familie von Ingenieuren und Handwerkern. In jungen Jahren erlernte er das Gitarrenspiel, beschäftigte sich außerdem mit dem Gitarrenbau und fertigte bereits als Teenager sein erstes Instrument an. Nach einer dreijährigen Berufsausbildung in “Musical Instrument Technology” in London arbeitete er für drei Jahre in der Instrumentenwerkstatt des Gitarrenbauers Paul Fisher bis er sich 1985 in den Cotswold Hills (England) selbständig machte. Die meisten seiner Instrumente fertigt Christopher für Gitarristen in England und Japan. Aber auch in anderen Ländern Europas hat er sich einen hervorragenden Ruf als Gitarrenbauer erworben. Seine Instrumente zeichnen sich in besonderer Weise durch eine ausgeprägte Gesanglichkeit im Diskantbereich aus.


Thomas Eichert  (*1972 in Deutschland)

begann 1988 in Markneukirchen seine Ausbildung zum Gitarrenbauer. Von 1990–1994 absolvierte er ein Studium an der Hochschule Zwickau (Studiengang Musikinstrumentenbau Markneukirchen). Danach begann die Mitarbeit in der Firma Hanika-Gitarrenbau. Parallel baute er eigene Gitarren machte sich 1996 in Baiersdorf (Franken) selbständig. Seit 2014 arbeitet er in seiner Werkstatt in Aidlingen (Baden-Württemberg). Schon während der Studienzeit in den 90er Jahren begann die Suche nach gutem Tonholz. Über viele Jahre ist so ein sehr vielseitiges Holzlager mit wahren Schätzen entstanden, die es Thomas Eichert ermöglichen, Konzertgitarren mit unverwechselbarer Ästhetik, kraftvollem Ton, leichter Ansprache und großem Klangreichtum zu bauen.


Solveig Kirschner  (*1981 in Deutschland)

hat neben einer handwerklichen Ausbildung zur Gitarrenbauerin ein Studium der Musikwissenschaften (“Magister Artium“) abgeschlossen. Sie arbeitet mit ihrem Mann Andreas Kirschner in der gemeinsamen Werkstatt in der Nähe von Kassel und richtet ihr Interesse neben dem Bau klassischer Konzertgitarren auch auf Restaurierungen und die Erforschung historischer Gitarren. Trotz täglichen Erfahrungsaustauschs haben ihre Instrumente einen ganz eigenen Charakter und überzeugen durch leichte Ansprache, Tragfähigkeit und einen ausgewogenen, brillanten Klang. Neben Meisterinstrumenten baut sie – unter Mitarbeit von ihrem Mann Andreas - ein sehr hochwertiges und mit großer Hingabe kreiertes Studentenmodell, das sich größter Beliebtheit erfreut.


Jean Marquet  (*1989 in Belgien),

schon immer begeistert von schönen nützlichen Gebrauchsobjekten - war Anfang 20, als er erstmals eine von Hand erstellte Gitarre kaufte und von deren Klang und Schönheit so beeindruckt war, dass er wenig später einen zweimonatigen Gitarrenbaukurs in Cluny (Frankreich) belegte. Dort baute er sein erstes eigenes Instrument. Durch das Ergebnis ermutigt, gab er seine bisherige Arbeit auf, um an der vielleicht besten Gitarrenbauschule Europas, der “CMB” (Center for musical instrument building) in Puurs (Belgien) bei Walter Verreydt und Karel Dedain in die Lehre zu gehen. Jean ist spezialisiert in den klassisch-traditionellen Gitarrenbau mit Hinwendung auf eine gute Klangprojektion und leichte Spielbarkeit. 


Stefan Nitschke  (*1982 in Deutschland),  dessen Instrumente mittlerweile sehr gesucht sind, kam über das Gitarrenspiel zum Gitarrenbau. Prof. Ulrich Müller, sein damaliger Lehrer, brachte ihn auf die Idee, Gitarren selbst zu bauen. Das Gefühl, ein Instrument zu kreiieren, zu sehen, wie es entsteht und schlussendlich selbst zum Klingen zu bringen, ließ ihn nicht mehr los. Die Begegnung mit Gerhard Oldiges, der ihm bis heute tiefe Einblicke in sein Arbeitsweise gewährt, sein Musikstudium in Osnabrück und Darmstadt sowie der Besuch zahlreicher Meisterkurse sind ihm Inspiration, seine Instrumente mit neuen Anregungen zu verbessern. Immer bestrebt, den Klang der alten Meister und den Ansprüchen moderner Gitarristen gerecht zu werden, entstehen seine Gitarren sehr häufig in Zusammenarbeit mit namhaften Musikern.


Kazuo Sato (*1946 in Japan)

wurde in Tokio geboren. Ab 1965 begann er eine Lehre in der Gitarrenwerkstatt von Meister Kuniharu Nobe (Tokio). Nach Abschluss seiner Ausbildung vervollständigte er sein Wissen um die Kunst des Gitarrenbaus bei David Rubio in Oxford (England). 1974 gründete er dann sein eigenes Atelier für Gitarren- und Lautenbau in Hekelgem/Belgien. Seit 1976 lebt Kazuo Sato in Deutschland und hat sich im Jahre 1987 endgültig in Saarlouis niedergelassen, wo er (zusammen mit seinem Sohn Hideo, der ebenfalls Gitarrenbauer ist) seine weltweit gesuchten Instrumente erschafft. Neben seiner Tätigkeit als Instrumentenbauer ist er ein passionierter Fotograf und engagiert sich außerdem seit vielen Jahren als Trainer im Aikido-Verein in Dillingen. 


Steven den Toom  (*1997 in Niederlande)

war bereits als Junge begeistert von allem, was mit Technik und Mechanik zu tun hat. Das Material Holz und der Gerätebau waren fortan neben dem Faible fürs Gitarrenspiel, das er mit 10 Jahren begann, die wichtigsten Interessengebiete in seinem Leben. Mit 15 Jahren war klar, dass er Musikinstrumentenbauer werden wollte und ein Jahr später besuchte er die International Lutherie School in Antwerpen (ILSA). Von der Leidenschaft für die spanische Gitarre „infiziert“ legte er mit 19 Jahren seine Meisterprüfung ab und verlagerte ab da seine Tätigkeit nach Deutschland, wo er seit 2016 seine eigene Gitarrenbauwerkstatt betreibt. Wie Steven sagt, möchte er das Klangideal der alten spanischen Gitarrenbautradition mit ihrem Oberton- und Farbenreichtum zurück ins 21. Jahrhundert bringen.


Lisa Weinzierl  (*1995 in Deutschland

lernte zunächst Zither und vertiefte die Praxis am Instrument als Jungstudentin an der Musikhochschule München. Heute widmet sie sich dem Bau und der Restaurierung von klassischen Gitarren. Ihre Ausbildung zur Zupfinstrumentenmacherin absolvierte sie an der Instrumentenbauschule in Mittenwald (Abschluss “bayerischer Staatspreis“). Anschließend beschäftigte sie sich in der Werkstatt von Christopher Schuetz (Frankreich) mit dem Neubau von klassischen Gitarren und der Restaurierung von französischen Romantikgitarren und arbeitete anschießend in Deutschland bei Peter Ziegler, Gert Esmyol und in der Werkstatt von Siccas Guitars in Karlsruhe. Derzeit erweitert Lisa ihren Wissenshorizont in der weltberühmten Geigenbauwerkstatt bei Stefan-Peter Greiner in London.



Gitarrenvorführung   und   Gitarrenausstellung   2021

Die Gitarrenausstellung 2021


Vorgestellt werden acht Meisterinstrumente aus Deutschland, Belgien, Niederlande, Großbritannien und Japan. Wie immer wird T. Hoppstock verschiedene Musikstücke anspielen, wobei in insgesamt vier Durchgängen die Parameter Ausgeglichenheit, Transparenz, Dynamik, Klangvielfalt, Gesanglichkeit und Tragfähigkeit näher beleuchtet werden. Während dieser etwa 45-minütigen Vorführung bleibt dem Publikum verborgen, welches Instrument jeweils erklingt, um beim Hören die größtmögliche Objektivität zu gewährleisten. Im Anschluss daran erhalten die Zuhörer die Möglichkeit, alle Instrumente zu testen. Die Gitarrenbaumeister werden persönlich anwesend sein, um Fragen zu beantworten oder auch andere gitarrenbauspezifischen Probleme zu erörtern. Erwähnt werden sollte nochmals, dass jedes Instrument direkt käuflich zu erwerben ist.